Organisator

Kollege Jürgen

Ich bin seit 1981 Polizist. Bis 2003 war ich Schutzmann in Berlin. Dann hatte ich „mein Schusswaffenerlebnis“.

Am 30. Juni 2003 hatte ich mit drei meiner Kollegen den Auftrag, einen Tatverdächtigen auf offener Straße in Berlin-Kreuzberg zu stellen. Der Mann hatte zuvor seine Exfreundin in einem Lokal erschossen und auf der Flucht einen Passanten niedergeschossen. Bei dem Versuch, ihn zu überwältigen, wurde ich aus nächster Nähe von einer 45er-Magnum lebensgefährlich verletzt. Das Geschoss durchschlug meinen halben Körper. Es folgten 85 Tage Koma, eine lange Rehabilitationsphase, 21 Operationen und massive dauerhafte körperliche Schäden, die mich in den Ruhestand zwangen.

Den Weg durch die Genesung begleiteten nicht nur die körperlichen Folgen, sondern auch bürokratische Hürden, mangelndes Verständnis innerhalb der Behörde und jahrelanger Kampf um die amtliche Anerkennung meines Schicksals. Echte Hilfe bei der psychischen Verarbeitung fand ich erst durch den Austausch mit Kollegen, die Ähnliches erlebt hatten.

In der psychischen Aufarbeitung des Erlebten stieß ich Anfang 2005 auf die Selbsthilfegruppe „Schusswaffenerlebnis“ – und fühlte mich dort sofort verstanden. Diese Gemeinschaft hat mir so viel gegeben, dass ich das Projekt aktiv weitertragen wollte. Seit 2007 biete ich im Raum Berlin im Frühjahr und Herbst Seminare an.

Für dieses Engagement wurde ich mit dem Bundesverdienstkreuz sowie dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet.